Top 50 Schlemmer Atlas Branchentreff 2026 – Begegnungen, Champagner und eine besondere Ehrung

Top 50 Schlemmer Atlas Branchentreff 2026 – Begegnungen, Champagner und eine besondere Ehrung

Am 22. Juni 2026 fand zum 13. Mal der Schlemmer Atlas Branchentreff mit der feierlichen Verleihung der TOP 50 Sommeliers im traditionsreichen Hotel Deidesheimer Hof in der Pfalz statt. Rund 250 Gäste aus der deutschen Wein- und Gastronomieszene waren der Einladung gefolgt. Es traf sich das Who is Who der Branche: Sommeliers, Spitzenköche, Winzer, Hoteliers, Gastronomen, Importeure und Fachhändler nutzten die Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Entwicklungen, innovative Ideen und die Zukunft der Wein- und Genusskultur.

In diesem Rahmen durfte ich die Auszeichnung als „TOP 50 Sommelière Deutschlands 2025“ entgegennehmen.

Ankommen, Wiedersehen und Austausch

Wie bei einem Klassentreffen ist schon beim Empfang die besondere Atmosphäre spürbar. Winzer, Sommeliers und viele bekannte Gesichter der Branche kamen ins Gespräch, verkosteten gemeinsam und tauschten sich über aktuelle Entwicklungen aus.

Fotos oben:

Ein Wiedersehen mit Freunden

  • Christina Hilker – Sommelière, Weinexpertin und Geschäftsleitung Süd der Sommelier Consult GmbH
  • Jürgen Halbe, Mitabsolvent Sommelier Ausbildung in Koblenz
  • Natalie Lumpp Sommelière, Weinexpertin, Autorin

Ein Moment der für immer bleibt

Der Schlemmer Atlas zählt seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Publikationen der deutschen Gastronomie. Die Auszeichnung als „TOP 50 Sommelière Deutschlands 2025“ bedeutet mir daher sehr viel.

Als mein Name aufgerufen wurde und ich die Bühne betrat, war das ein Moment, den ich wohl nie vergessen werde.

Mit der Urkunde in der Hand wurde mir bewusst, wie viele Menschen und Erfahrungen meinen bisherigen Weg geprägt haben – von den ersten Weinseminaren über unzählige Verkostungen bis hin zu den Begegnungen mit Winzerinnen, Winzern und Wegbegleitern, die mich unterstützt und inspiriert haben.

Fotos oben: Ich erhalte die Auszeichnung als „TOP 50 Sommelière Deutschlands 2025“.

Mein Weg mit dem Wein – vom Wissen zur Leidenschaft

Nach 22 Jahren im Naturkosthandel führte mich mein Weg 2017 zur deutschen Wein-& Sommelierschule – Gastronomisches Bildungszentrum Koblenz. Es folgten Ausbildungen zur IHK-geprüften Sommelière, IHK Sommelière-Champagne, dem WSET® Level 3 Award in Wines und schließlich die Ausbildung zur German Wine Professional beim Deutschen Weininstitut.

Meine Erfahrungen verbinde ich heute mit meiner Tätigkeit als freie Sommelière, Dozentin und Gastgeberin in der professionellen Gastronomie und im Handel. Ich konzipiere und begleite Weinproben, Weinseminare und Weinwalks und entwickle individuelle Weinerlebnisse für private und geschäftliche Anlässe.
Seit 2026 sind wunderbare Reisen in die Champagne hinzugekommen.

Dabei ist mir besonders wichtig: Weinwissen darf anspruchsvoll sein – aber niemals kompliziert wirken.

Ich möchte Menschen für Wein begeistern, ohne Dogmen und ohne das Gefühl, etwas „richtig“ schmecken zu müssen. Denn jeder Mensch nimmt Wein anders wahr. Genau diese persönliche Wahrnehmung macht für mich die Faszination aus.

Mein Anspruch ist es, Weinwissen mit Genuss zu verbinden und aus einem Glas Wein ein persönliches Erlebnis zu schaffen, das meinem Gast in positiver Erinnerung bleibt.

Wein verbindet Menschen

Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Melih Günsel. Seit vielen Jahren engagiert er sich mit großer Leidenschaft für die deutsche Weinbranche. Dass er außerdem Buchautor ist, war mir bislang nicht bewusst und hat mich sehr positiv überrascht. Es entstand ein schönes Erinnerungsfoto..

Gruppenfoto mit Melih Günsel – Sommelier, Weinexperte, Autor und Niederlassungsleiter der Weinkellerei Höchst by Bührmann

Je später der Abend wurde, desto entspannter war die Atmosphäre. Aus vielen Gesprächen entstanden neue Ideen und inspirierende Begegnungen – genau das macht die Veranstaltung Schlemmer Atlas Branchentreff so besonders.

Die Auszeichnung als „TOP 50 Sommelière Deutschlands 2025“ ist für mich weit mehr als eine Urkunde. Sie ist eine schöne Bestätigung meines bisherigen Weges und zugleich Motivation, mich fachlich weiterzuentwickeln, neugierig zu bleiben und meine Begeisterung für Wein mit anderen Menschen zu teilen.
Mein herzlicher Dank gilt dem Schlemmer Atlas für diese besondere Ehrung sowie allen Menschen, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet, unterstützt und inspiriert haben. Ohne diese Begegnungen wäre ich heute nicht dort, wo ich stehe.

Ich freue mich auf viele weitere Veranstaltungen, inspirierende Begegnungen und neue Reisen in die Champagne – gemeinsam mit Menschen, die Wein nicht nur genießen, sondern seine Geschichten entdecken und ihr Wissen erweitern möchten.
Denn genau darum geht es: Wein nicht nur zu verkosten, sondern ihn erlebbar zu machen – im Glas, im Weinberg und im Austausch mit den Menschen, die ihn mit Leidenschaft erzeugen. Wenn aus einem guten Wein ein unvergessliches Erlebnis wird, dann ist genau das die Motivation, die mich jeden Tag aufs Neue antreibt.

Der Abend geht zu Ende

Ich freue mich auf viele weitere Veranstaltungen, inspirierende Begegnungen und neue Reisen in die Champagne – gemeinsam mit Menschen, die Wein nicht nur genießen, sondern seine Geschichten entdecken und ihr Wissen erweitern möchten.

Denn genau darum geht es: Wein nicht nur zu verkosten, sondern ihn erlebbar zu machen – im Glas, im Weinberg und im Austausch mit den Menschen, die ihn mit Leidenschaft erzeugen. Wenn aus einem guten Wein ein unvergessliches Erlebnis wird, dann ist genau das die Motivation, die mich jeden Tag aufs Neue antreibt.

Aus der Champagne 🥂 Zu Besuch bei renommierten Champagnerhäusern

Aus der Champagne 🥂 Zu Besuch bei renommierten Champagnerhäusern

Vier Tage, rund 1.500 Kilometer und sechs außergewöhnliche Champagnerhäuser: Im Juni 2026 habe ich erstmals eine exklusive Champagnerreise organisiert und gemeinsam mit sechs Champagnerbegeisterten die faszinierende Weinregion bereist.

Eine Reise mit Einblicken hinter die Kulissen großer Champagnerhäuser

Während unserer Reise besuchten wir einige der renommiertesten Häuser der Champagne:

Jedes dieser Häuser erzählt seine eigene Geschichte und steht für einen unverwechselbaren Stil. Wir erhielten exklusive Einblicke in historische Keller, standen mitten in den Weinbergen, sprachen mit den Menschen hinter den Champagnerhäusern und verkosteten die Weine dort, wo sie entstehen. Dabei erfuhren wir viel über die Philosophie, Tradition und Handwerkskunst, die jedes Haus einzigartig machen.

In den folgenden Blogbeiträgen nehme ich Sie mit zu jedem einzelnen Champagnerhaus. Freuen Sie sich auf spannende Hintergrundgeschichten, exklusive Einblicke hinter die Kulissen und viele wunderbare Fotos, die unsere persönlichen Eindrücke aus einer der faszinierendsten Weinregion der Welt festhalten.

Tag 1 – vormittags: Besuch bei Veuve Fourny & Fils – Vertus – 16.06.2026

Bei unserem Besuch bei Veuve Fourny & Fils werden wir von Charles Fourny herzlich begrüßt, der gemeinsam mit seinem Bruder Emmanuel den Familienbetrieb in Vertus, im südlichen Teil der Champagne, führt.

Die Region wird hier auch als Côte des Blancs bezeichnet. Charles erklärt uns anschaulich, warum: Er zeigt uns einen Stein, der fast reine Kreide ist – ein typisches Merkmal der Böden dieser Gegend. Diese kalkreichen Kreideböden prägen die Weine entscheidend, insbesondere den Chardonnay, der hier seine ganze Eleganz, Frische und Präzision entfalten kann. Pinot Noir spielt ebenfalls eine Rolle und bringt Struktur und Kraft in die Cuvées, während Chardonnay für Finesse und Spannung sorgt.

Alle Champagner des Hauses stammen aus Premier- und Grand-Cru-Lagen. Die Arbeit im Weinberg ist intensiv: Rund 280 Arbeitsstunden pro Hektar sind notwendig. Die Qualität entsteht aus etwa 50 verschiedenen Parzellen, die in komplexen Assemblagen über mehrere Jahrgänge hinweg zusammengeführt werden. Ein Teil davon besteht aus Reserveweinen, und die Weine reifen mindestens drei Jahre auf der Feinhefe.

Wir bekommen eine besondere Kellerführung, jährlich verkauft das Haus rund 280.000 Flaschen. Hier lagern mehr als eine Million Flaschen in den Kellern.

Charles erklärt uns, dass für die Herstellung von 1 Liter Champagner etwa 600 Liter Wasser benötigt werden, was den hohen Ressourcenaufwand der Produktion verdeutlicht. Einen Teil davon wird von Photovoltaik Anlagen gedeckt.

Nach der Kellerführung führt uns Charles in den Verkostungsraum, wo wir mit einer persönlichen Verkostungsunterlage willkommen geheißen werden. Ich bemerke wie der Text auf der Unterlage “Herzlich willkommen liebe deutsche Freunde“ ein Lächeln auf die Gesichter meiner Gruppe aus Köln zaubert. Nun dürfen wir die Champagner des Hauses entdecken.

Veuve Fourny & Fils – Dossiers zur Verkostung

Die Verkostung beginnt mit einem Flight Blanc-de-Blancs-Champagnern aus den Premier-Cru-Lagen von Vertus, gefolgt von Jahrgangschampagnern, einer gastronomisch geprägten Cuvée, die für sich steht und drei charakterstarken Rosés.

Die Verkostung bei Veuve Fourny & Fils – Vertus

Erster Flight

Les Grands Terroirs Brut Premier Cru
100 % Chardonnay

In der Nase frische Zitrusnoten, weißer Pfirsich, grüne Äpfel sowie feine Brioche- und Kreidearomen. Am Gaumen elegant, präzise und ausgewogen mit feiner Perlage, lebendiger Säure und langem, mineralischem Ausklang.

Für mich die prestigeträchtige Cuvée des Hauses, die den Stil von Veuve Fourny besonders fein und terroirgeprägt widerspiegelt. Sie vereint Frische, Finesse und Herkunft zu einem authentischen Ausdruck der Premier-Cru-Lagen von Vertus.

Blanc de Blancs Extra Brut Premier Cru
100 % Chardonnay

In der Nase feine Noten von Zitronenzeste und weißen Blüten. Am Gaumen straff, fokussiert und präzise, die geringe Dosage betont Frische und Mineralität.

Ein sehr klarer, terroirgeprägter Blanc de Blancs – geradlinig, elegant und ideal als Aperitif.

Blanc de Blancs Brut Nature Premier Cru
100 % Chardonnay

Zitrusfrüchte, Austernschale und feine Hefenoten prägen die Nase. Am Gaumen puristisch, salzig-mineralisch und kompromisslos trocken.
Ein unverfälschter Ausdruck von Chardonnay und Terroir ohne Dosage – in seiner reinsten Form.

Zweiter Flight

Monts de Vertus 2017 Extra Brut Premier Cru
100 % Chardonnay | Jahrgang 2017

Reife Zitrusfrüchte, gelber Apfel, weiße Blüten und feine Röstaromen in der Nase. Am Gaumen kraftvoll und zugleich elegant mit präziser Säure, mineralischem Kern und großer Länge.

Ein Jahrgangschampagner aus einer der besten Parzellen von Vertus, der Terroir und Jahrgang klar widerspiegelt.

Cuvée „R“ Extra Brut Premier Cru
Chardonnay-dominiert, ergänzt durch Reserveweine

In der Nase reife Früchte, Brioche, Haselnuss und feine Gewürze. Am Gaumen tiefgründig, strukturiert und cremig mit langem Nachhall.

Ein gastronomischer Champagner mit großer Vielschichtigkeit und idealer Begleiter zu Speisen von Meeresfrüchten bis Kalb.

Dritter Flight – Rosé-Champagner

Rosé Brut Premier Cru

Himbeeren, Walderdbeeren, rote Johannisbeeren und Rosenblüten in der Nase. Am Gaumen frisch, fruchtig und lebendig.

Ein charmanter, animierender Aperitif-Champagner mit viel Trinkfreude.

Rosé Vinothèque MV17 Extra Brut Premier Cru

Reife rote Früchte, Blutorange, getrocknete Blüten und Gewürze in der Nase. Am Gaumen komplex, gereift und vielschichtig mit großer Länge und cremiger Textur.

MV steht für „Multi Vintages“ (Basis 2017 plus Reserveweine), Vinothèque für lange gereifte Reserve-Cuvées mit zusätzlicher Tiefe und Komplexität.

Rosé de Saignée Extra Brut Vertus Premier Cru
100 % Pinot Noir (Les Rougemonts & Les Gilottes)

Intensive Aromen von Brombeeren, Kirschen, Walderdbeeren und Gewürzen. Am Gaumen kraftvoll, vinös und strukturiert mit großer Fruchttiefe.

Entsteht nach dem Saignée-Verfahren: kurze Mazeration der roten Trauben auf den Schalen, wodurch Farbe, Frucht und Struktur intensiv extrahiert werden. Ein charakterstarker, gastronomischer Rosé mit viel Ausdruck.

Die Verkostung hat meine Gruppe restlos begeistert. Schon der erste Tag war ein überaus gelungener Einstieg in die Champagnerwelt und hat bei uns einen starken, bleibenden Eindruck hinterlassen – besonders durch die bemerkenswerten Qualitäten der Champagner.

Besonders beeindruckt hat uns die Philosophie des Hauses, die durch Charles sehr deutlich wurde: herzlich, zuvorkommend und mit einer feinen Prise Humor. Alles wirkt so persönlich – wir kamen als Fremde und gehen als Freunde!

Gut gelaunt steigen wir ins Auto und setzen unsere Reise fort. Fortsetzung folgt …

Tag 1 – Ein Abend in der Maison Belle Époque von Perrier-Jouët

Nach einem erlebnisreichen ersten Tag in der Champagne steht am Abend ein ganz besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Unsere Gruppe aus Köln macht sich auf den Weg nach Épernay, in die weltberühmte Avenue de Champagne. Kaum eine Straße der Welt vereint so viele große Namen der Champagnerkultur an einem Ort. Wie Perlen an einer Kette reihen sich hier die traditionsreichen Häuser aneinander.

Für diesen besonderen Anlass haben sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in elegante Abendgarderobe gehüllt. Die Vorfreude ist spürbar, denn uns erwartet ein exklusives 5-Gang-Menü Dinner im Hause Perrier-Jouët – begleitet von einigen der prestigeträchtigsten Champagner des Hauses.

Pünktlich um 19 Uhr öffnen sich die Tore der Maison Belle Époque in der Avenue de Champagne 26. Schon beim Empfang von Isabel werden wir mit einer Herzlichkeit und Aufmerksamkeit begrüßt, die den gesamten Abend prägen wird.

Kunst, Natur und Champagner

Perrier-Jouët zählt zu den traditionsreichsten Champagnerhäusern der Region. Gegründet im Jahr 1811, steht das Haus bis heute für elegante, florale Champagner mit einem hohen Chardonnay-Anteil. Weltweit bekannt sind die Belle-Époque-Flaschen und Gläser mit ihren weißen Anemonen, die der berühmte Jugendstil-Künstler Émile Gallé im Jahr 1902 entwarf.

Doch Perrier-Jouët ist weit mehr als ein Champagnerhaus. Die Maison Belle Époque beherbergt eine der bedeutendsten privaten Jugendstil-Sammlungen Europas. Kunstwerke von Émile Gallé, Hector Guimard und Louis Majorelle verleihen dem Anwesen eine einzigartige Atmosphäre. Jeder Raum erzählt seine eigene Geschichte und verbindet auf faszinierende Weise Kunst, Natur und Champagner.

Mit einem Glas Champagner in der Hand werden wir zunächst durch den privaten Garten der Maison geführt. Die Abendsonne taucht die Anlage in warmes Licht, und die ersten Gespräche drehen sich bereits um die Eindrücke des Tages. Die Begeisterung in unserer Kölner Gruppe wächst mit jedem Schritt.

Anschließend betreten wir den festlich gedeckten Speisesaal. Ein langer Tisch, geschmückt mit floralen Arrangements, empfängt uns. Die Blumen Dekoration greift die Handschrift des Hauses auf und spiegelt die Leichtigkeit und Eleganz der Belle Époque wider.

Ein Menü voller Raffinesse

Das Menü wurde von Pierre Gagnaire inspiriert und von Sébastien Morellon, Chefkoch der Maison Belle Époque, meisterhaft umgesetzt. Jeder Gang ist nicht nur kulinarisch beeindruckend, sondern auch durch die Kellermeisterin Séverine Frerson präzise auf die jeweiligen Champagner abgestimmt.

Perrier-Jouët Blanc de Blancs
Begleitung:
Rotbarbe in Gelee mit Fenchel und Sternanis
Schalentiere nach Marinière-Art
Junger Lauch
Entenstopfleber- und Paprika-Tarte an Kapuzinerblättern

Perrier-Jouët Belle Epoque Blanc de Blancs 2018
Begleitung:
Blaues Hummerfrikassee mit salziger Butter, Cocos de Paimpol und Karotten
Hummerrillette mit Estragon und Kapuzinerkresseblättern
Hummerbiskuit mit Cognac Martell X.O.

Perrier-Jouët Belle Epoque 2016
Begleitung:
Tomaten-Ricotta-Ravioli mit Pilzen
Bouillon Zezette

Perrier-Jouët Belle Epoque Rosé 2014
Begleitung:
Taube mit Johannisbeer-Bigarade
Gegrilltes Obst und Gemüse der Saison
Artischockenpüree mit gerösteten Haselnüssen

Perrier-Jouët Belle Epoque Rosé 2014
Dessertbegleitung:
Himbeer-Eiscreme mit frischen Mandeln
Rote Früchte in Grapefruitsaft
Dulcey-Schokolade
Rosé-Champagner-Granita mit Aprikose und Haselnusspraline

Harmonie von Champagner und Speise

Besonders beeindruckend war die Präzision der Kombinationen. Jeder Champagner schien die Speisen nicht nur zu begleiten, sondern ihnen eine zusätzliche Dimension zu verleihen.

Der Belle Epoque Blanc de Blancs 2018 überzeugte mit seiner Frische, feinen Mineralität und eleganten Zitrusnoten. Gemeinsam mit dem Hummer entstand eine außergewöhnlich harmonische Verbindung, die viele von uns nachhaltig beeindruckte.

Der Belle Epoque 2016 brachte florale Noten, Finesse und Struktur mit. Seine Eleganz unterstrich die feinen Aromen der Ravioli und der Pilze, ohne jemals dominant zu wirken.

Beim Belle Epoque Rosé 2014 trafen intensive rote Fruchtaromen auf die Kraft der Taube. Die Kombination aus Fruchtigkeit, Röstaromen und feiner Säure sorgte für Begeisterung am gesamten Tisch.

Zum Dessert zeigte derselbe Rosé noch einmal eine völlig neue Seite. Die Noten von Himbeeren, Erdbeeren und roten Früchten griffen die Aromen der Desserts perfekt auf und bildeten einen ebenso eleganten wie überraschenden Abschluss.

Jeder einzelne Gang war das wunderbare Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen Kellermeisterin Séverine Frerson und Chefkoch Sébastien Morellon. Frerson schrieb schon 2020 Geschichte, als sie als erste Frau in der über 200-jährigen Geschichte von Perrier-Jouët die Position der Chef de Caves übernahm.

Ein Abend, der in Erinnerung bleibt

Im Laufe des Abends wurde immer deutlicher, warum Perrier-Jouët zu den faszinierendsten Häusern der Champagne zählt. Hier geht es nicht nur um große Champagner. Kunst, Natur, Architektur und Kulinarik verschmelzen zu einem Gesamterlebnis, das weit über eine klassische Verkostung hinausgeht.

Als wir spät am Abend die Maison Belle Époque verlassen, sind die Gespräche in unserer Gruppe aus Köln voller Begeisterung. Jeder hat seinen persönlichen Favoriten gefunden, jeder nimmt besondere Erinnerungen mit nach Hause. Einige schwärmen vom Hummergang, andere von der Vorspeise, wieder andere von der einzigartigen Atmosphäre der Maison.

Eines jedoch teilen wir alle: die Dankbarkeit, einen so außergewöhnlichen Abend erlebt zu haben. Perrier-Jouët hat uns nicht nur große Champagner präsentiert, sondern einen Einblick in eine Welt gegeben, in der Genuss, Kultur und Gastfreundschaft auf höchstem Niveau zusammenfinden.

Mit vielen Eindrücken und großer Vorfreude auf den nächsten Tag in der Champagne treten wir die Rückfahrt an. Die Messlatte für die kommenden Besuche liegt nun ausgesprochen hoch. Fortsetzung folgt

Tag 2 – vormittags: Besuch bei Champagner Bollinger in Aÿ – 17.06.2026

Heute geht es nach Aÿ, einem traditionsreichen Weinort im Herzen der Champagne. Die kleine Gemeinde an der Marne gehört zu den berühmtesten Orten der Region und zählt zu den wenigen Grand-Cru-Gemeinden der Champagne.

Für viele Champagnerliebhaber ist Aÿ untrennbar mit einem Namen Bollinger verbunden: Seit fast 200 Jahren befindet sich hier der Stammsitz des Hauses, das wie kaum ein anderes für charakterstarke, von Pinot Noir geprägte Champagner steht.

Empfang durch Lucie

Schon beim kurzen Anstieg hinauf zum Bollinger-Anwesen in Aÿ wird uns klar: Olala, es wird ein heißer Sommertag in der Champagne. Am Empfang begrüßt uns Lucie, die uns mit großer Begeisterung durch die Geschichte und Philosophie des Hauses führt. Bollinger gehört zu den wenigen großen Häusern, die sich seit der Gründung 1829 bis heute im Familienbesitz befinden.

Die Geschichte von „Tante Lily“ Bollinger

Den Kopf der Familie bildet die beeindruckende Persönlichkeit von Lily Bollinger. Nach dem Tod ihres Mannes Jacques Bollinger im Jahr 1941 übernahm sie während der schwierigen Kriegsjahre die Leitung des Hauses. Die als „Tante Lily“ bekannte Unternehmerin machte Bollinger weltweit berühmt. Mit Mut, Charisma und großer Leidenschaft bereiste sie die wichtigsten Märkte persönlich und prägte über Jahrzehnte das Bild des Hauses. Von ihr stammt auch eines der berühmten Zitate, die ihr dem Foto entnehmen könnt.

Unterwegs in den historischen Kellern

Nach dem wir diesen Ausführungen interessiert gelauscht haben, führt uns der Weg in die beeindruckenden Kreidekeller von Bollinger, eine willkommene Abkühlung, bei diesem heißen Temperaturen.

Auf rund sechs Kilometern Länge lagern hier Millionen Flaschen Champagner unter idealen Bedingungen. In der Schatzkammer des Hauses befindet sich sogar ein Jahrgang aus dem Jahr 1891.

Die Philosophie von Bollinger

Der Schwerpunkt aller Bollinger-Champagner liegt auf der Rebsorte Pinot Noir, die in nahezu jeder Cuvée mindestens 60 Prozent ausmacht. Die Trauben stammen überwiegend aus Grand-Cru- und Premier-Cru-Lagen. Für die Herstellung wird ausschließlich die erste Pressung, die sogenannte Cuvée, verwendet. Die späteren Pressfraktionen werden weiterverkauft oder destilliert. Bemerkenswert ist auch die Lagerung der Reserveweine: Rund eine Million Flaschen reifen in Magnumflaschen in den Kellern des Hauses – eine Besonderheit, die wesentlich zum unverwechselbaren Bollinger-Stil beiträgt.

Handwerk und Präzision beim Rütteln

Lucy führt uns zu Olivier, bei ihm können wir das Rüttelns der Flaschen beobachten. Während die meisten Cuvées heute auf modernen Giro-Paletten maschinell bewegt werden, werden die wertvollen Jahrgangschampagner noch von Hand gerüttelt. Mit geübten Bewegungen bringt Olivier die Flaschen Schritt für Schritt in die Senkrechte, damit sich die Hefe im Flaschenhals sammelt. Dieser Vorgang dauert etwa acht Tage. Der Flaschenhals wird danach in ein Eisbad getaucht, der gefrorene Hefepfropfen durch den Innendruck herausgeschleudert und die Flasche wird anschließend auf der Feinhefe gelagert.

Nach dieser anschaulichen Demonstration erklimmen wir die Stufen aus den Tiefen des Kellers zu unserem anschließenden Tasting. Es kommt Freude auf, endlich dürfen wir verkosten.

Die Verkostung

Bollinger Special Cuvée

Der Special Cuvée ist die Visitenkarte des Hauses und macht den unverwechselbaren Bollinger-Stil sofort erkennbar. Pinot Noir dominiert die Assemblage und sorgt für Kraft, Struktur und die typischen Aromen von reifem Apfel, Brioche und gerösteten Nüssen. Ein großer Teil seines Charakters stammt aus den in Magnumflaschen gereiften Reserveweinen, die Bollinger über viele Jahre lagert.

Die Produktion beläuft sich auf mehrere Millionen Flaschen pro Jahr, denn es ist die wichtigste Cuvée des Hauses.

Bollinger PN AYC21

Die PN-Serie ist eine Hommage an den Pinot Noir und erscheint jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt.

PN steht für Pinot Noir.

AYC bedeutet:

AY = Aÿ, das historische Herz von Bollinger und einer der bedeutendsten Grand Crus der Champagne.
C = Assemblage bzw. Cuvée des Hauses.
21 = Basisjahrgang 2021.

Der PN AYC21 besteht ausschließlich aus Pinot Noir. Die Hauptlage ist Aÿ, ergänzt durch Trauben aus den Lagen von Tauxières und Mutigny. Hier steht im Fokus, die unterschiedlichen Ausdrucksformen des Pinot Noir zu zeigen. Der Wein verbindet Kraft und Tiefe mit bemerkenswerter Frische.

Bollinger La Grande Année 2018

La Grande Année wird nur in außergewöhnlichen Jahren erzeugt. Der Jahrgang 2018 gilt bereits heute als einer der großen Jahrgänge der Champagne.

Besonderheiten:

  • ausschließlich Grand- und Premier-Cru-Lagen
  • vollständige Vergärung in alten Eichenfässern
  • jede Flasche wird von Hand gerüttelt
  • jede Flasche wird von Hand degorgiert
  • Reifung deutlich länger als von der Appellation vorgeschrieben

Die Cuvée besteht aus 66 % Pinot Noir und 34 % Chardonnay. Das Ergebnis ist ein komplexer, kraftvoller und zugleich eleganter Champagner mit großem Reifepotenzial.

Bollinger La Grande Année Rosé 2018

Die Rosé-Version basiert auf La Grande Année 2018 und wird durch die Zugabe eines kleinen Anteils des legendären Rotweins „La Côte aux Enfants“ ergänzt, der aus einer historischen Einzellage in Aÿ stammt.

Dadurch verbindet sie die Finesse großer Jahrgangschampagner mit feinen roten Fruchtaromen von Kirsche, Johannisbeere und Himbeere. Sie gilt als eine der gastronomischsten Rosé-Cuvées der Champagne.

Bollinger R.D. 2008

Wir kommen zum Höhepunkt unserer Verkostung.

R.D. bedeutet „Récemment Dégorgé“ – „vor Kurzem degorgiert“.

Die Idee geht auf Lily Bollinger zurück. Der Champagner reift viele Jahre auf der Hefe und wird erst unmittelbar vor dem Verkauf degorgiert. Dadurch verbindet er die Frische eines jungen Champagners mit der Komplexität jahrzehntelanger Reifung.

Der Jahrgang 2008 zählt zu den größten Jahrgängen der letzten Jahrzehnte. Die Cuvée besteht aus 71 % Pinot Noir und 29 % Chardonnay. Sie vereint enorme Spannung, Tiefe und eine außergewöhnliche Länge am Gaumen

Mit dem R.D. 2008 endet die Verkostung. Es ist ruhig geworden im Verkostungsraum bei meiner sonst so lebhaften Gruppe, fast andächtig nehmen alle die unglaubliche Vielschichtigkeit des Champagners mit Jahrgang 2008 wahr.

Hier vereint Bollinger vereint alles, wofür sie stehen: Pinot Noir, Geduld, Handwerkskunst und die Vision von Tante Lily, die ihrer Zeit stets voraus war.

Blick in die Zukunft

Und so soll es auch bleiben. Bollinger blickt konsequent nach vorne. Derzeit entstehen umfangreiche Neubauten, die pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum des Hauses im Jahr 2029 fertiggestellt werden sollen. Geplant sind unter anderem ein exklusives Fünf-Sterne-Hotel mit Wellnessbereich sowie neue Empfangs- und Produktionsgebäude.

Fazit

Der Besuch bei Bollinger zeigte uns eindrucksvoll, warum das Haus zu den großen Namen der Champagne gehört: tiefe Verwurzelung in der Tradition, kompromisslose Qualitätsansprüche und zugleich der Mut, die Zukunft aktiv zu gestalten. Zwischen historischen Kellern, handwerklicher Präzision und den ehrgeizigen Plänen für das Jubiläumsjahr 2029 wird deutlich, dass Bollinger weit mehr ist als ein Champagnerhaus – es ist ein lebendiges Stück Champagnergeschichte. Von unserem Besuch beflügelt machen wir uns gutgelaunt auf den Weg in das kleine Städtchen Aÿ.

Fortsetzung folgt …

Meine gut gelaunten Kölner: Julian, Gamze, Jule, Maik, Kathrin

Tag 2 – Ein Besuch bei Deutz in Aÿ am Nachmittag

Der goldene Engel von Deutz und eine unerwartete Einladung

Während wir durch die Rue Jeanson in Aÿ schlendern, entdecken wir schon von Weitem die goldenen Lettern von Deutz. Zu unserer Überraschung steht das Eingangstor offen.
Ich frage die Gruppe, ob wir im Verkaufsraum vorbeischauen wollen – denn ich weiß, dass Maik und Jule große Fans von Deutz sind. Wenige Minuten später stehen wir im angenehm kühlen Empfangsbereich. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und erkundige mich nach einer Verkostung, wohl wissend, dass diese normalerweise Wochen im Voraus gebucht werden muss.

Die Mitarbeiterin am Empfang reagiert zunächst zurückhaltend, greift dann jedoch zum Telefon. Zehn Minuten später erscheint Etienne und eröffnet uns völlig unerwartet, dass er Zeit für uns hat.

Wer hätte das gedacht?

Zunächst führt er uns durch die Räumlichkeiten. Vor einem Porträt von William Deutz erfahren wir mehr über die Geschichte des Hauses. Deutz wurde bereits 1838 in Aÿ von den beiden aus Aachen stammenden Kaufleuten William Deutz und Pierre-Hubert Geldermann gegründet. Aus Weinhändlern wurden Champagnerproduzenten – und bis heute zählt Deutz zu den traditionsreichsten Häusern der Region, dass seit 1993 zu der Roederer-Gruppe der Familie Rouzaud gehört, zu der auch das renommierte Champagnerhaus Louis Roederer zählt.

Trotz dieser Zugehörigkeit hat sich Deutz seinen eigenständigen Stil und seine starke Verwurzelung in Aÿ bewahrt. Die Philosophie des Hauses hat sich seit den Anfängen kaum verändert: höchste Präzision im Weinberg, sorgfältige Auswahl der Trauben und viel Geduld bei der Reifung. Rund 45 Hektar eigene Weinberge sowie langjährige Partnerschaften mit Winzern bilden die Grundlage für die Champagner des Hauses. Sie stehen für Eleganz, Finesse und Harmonie – feinperlig, präzise, eher unaufgeregt und niemals laut.

Geprägt wird der Stil vor allem vom Pinot Noir, was wenig überrascht, liegt Aÿ doch in einem der berühmtesten Pinot-Noir-Terroirs der Champagne, der Grande Vallée de la Marne. Der Ausbau erfolgt überwiegend im Edelstahltank, um Frische und Klarheit zu bewahren.

Besonders stolz ist man hier auf zwei Prestige-Cuvées, die nur in hervorragenden Jahren erzeugte William Deutz mit etwa 60 % Pinot Noir sowie den exklusiven Blanc de Blancs Amour de Deutz, dessen Name auf den goldenen Engel im Park des Anwesens zurückgeht – ein Symbol für die beflügelte Leichtigkeit eines reinen Chardonnay geprägten Champagners.

Und tatsächlich scheint sich diese „Beflügelung“ in der Verkostung schnell auf uns zu übertragen: Die Stimmung wird ausgelassener, ist nunmehr eine lebhafte Runde unter Freunden.

Unser Gastgeber Etienne kämpft tapfer darum, seine Erläuterungen gegen sechs zunehmend gesprächige Champagnerfreunde durchzusetzen – was ihm nur bedingt gelingt, er nimmt es jedoch amüsiert hin. Auffallend positiv dabei ist, mit welcher nicht aufzuhaltende Begeisterung sich meine Gruppe in Fachgespräche vertieft und wie viel wir alle in nur zwei Tagen über Champagner gelernt haben.

Als wir schließlich auf die Uhr schauen, ist die Überraschung groß: Die Zeit ist längst davongelaufen. Was als kurzer Besuch begann, endet mit einem etwas hastigen Aufbruch und einem Blick auf den Fahrplan zurück nach Reims.

Fortsetzung folgt …

Tag 3 – vormittags – Im Herzen der Champagne – Besuch bei Philipponnat im legendären Clos des Goisses

Heute fahren wir nach Mareuil-sur-Aÿ, einer Ortschaft mit rund 1000 Einwohnern etwa 30 km südlich von Reims und wenige Kilometer östlich von Épernay, somit im Herzen der Champagne.

Weinbergsbegehung in der Clos de Goisses

Nach unserer Ankunft im Champagnerhaus Philipponnat werden wir von Theo herzlich begrüßt und direkt in die Weinberge geführt. Unser Weg führt uns zur berühmten Clos des Goisses, eine Monopollage, die sich im Besitz von Philipponnat befindet.

Mit einer Hangneigung von bis zu 45 Grad in südlicher Exposition, kalkgeprägten Böden und hervorragender Drainage zählt er mitunter zu den steilsten Weinbergen der Champagne. Wir spüren unmittelbar was damit gemeint ist, während wir bei der ansteigenden Hitze des Tages die steilen Stufen hinauf klettern.

Theo zeigt uns die klar abgegrenzten Parzellen innerhalb des Clos des Goisses und weist besonders auf den Bereich Les Cintres hin, eine selektive Parzellenlage im steilsten und am stärksten sonnenexponierten Abschnitt des Clos.

Die Trauben der hier wachsenden 45 bis 55 Jahre alten Pinot-Noir-Reben zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Konzentration und Intensität aus. Sie bilden die Grundlage für einen Wein, der nur in herausragenden Jahrgängen auf die Flasche kommt und dessen Produktion auf wenige tausend Flaschen begrenzt ist – in der Regel auf etwa 3.000 Flaschen.

Die Historie des Hauses mit erster Erwähnung in 1522

Die Historie von Champagne Philipponnat reicht bis ins Jahr 1522 zurück, als Apvril Philipponnat, ein aus der Schweiz stammender Militär und Grundbesitzer, erstmals in der Region Aÿ erwähnt wurde. Seit mehr als sechzehn Generationen wird das Haus von der Familie Philipponnat geführt und steht heute unter der Leitung von Charles Philipponnat. Gemeinsam mit seinem Team bewahrt er die Identität des Hauses und den unverwechselbaren Stil seiner Champagner, die auch international hohes Ansehen genießen. Seit 1997 gehört Philipponnat zur Lanson-BCC-Gruppe, einem Zusammenschluss von neun renommierten Champagnerhäusern.

Die wichtigsten Exportmärkte des Hauses sind Italien, die Schweiz, Japan und das Vereinigte Königreich, ergänzt durch weitere ausgewählte internationale Premiummärkte, in denen strukturierte und lagerfähige Champagner besonders geschätzt werden.

Kühl und beeindruckend – die Kellerführung

Nach der Weinbergsbegehung ist uns Theos anschließende Kellerführung aufgrund der hohen Außentemperaturen sehr willkommen. Ein ausgesprochenes Ziel von Philipponnat ist es, Champagner mit maximaler Präzision, Reinheit und Spannung zu erzeugen. So ist es selbstredend, dass ein Hauptfokus auf die Traubensorte Pinot Noir gesetzt wird. Selbst in Ihrem „Blanc de Blancs“, einem 100-prozentigen Chardonnay Champagner kommen die Trauben nicht von der Cote de Blancs, wo die Böden mit fast reiner Kreide eher frische, florale Champagner erzeugen, sondern aus der Montagne de Reims, wo die Böden mit deutlich mehr Ton, Mergel, Sand und Lehm für weit mehr Spannung, Struktur und Länge im Champagner sorgen.

Theo führt an, dass man bei der Pressung drei Fraktionen unterscheidet: die Cuvée als erste und hochwertigste Pressung, die Taille als zweite Pressung sowie die Rebêche als Nachpressung, die sowieso nicht in der Champagne-Appellation zugelassen ist. Philipponnat verwendet ausschließlich die Cuvée für mehr aromatische Konzentration.

Eine malolaktische Gärung, in der die frische Apfelsäure in weichere Milchsäure umgesetzt wird, findet selektive Verwendung. Bei den Basisqualitäten wird sie teilweise oder vollständig durchgeführt, während sie insbesondere beim Clos des Goisses bewusst teilweise oder vollständig blockiert wird, um Frische, Spannung und Lagerfähigkeit zu bewahren. Dieser reift in der Regel etwa zehn Jahre, bevor er auf den Markt kommt. In besonders seltenen Fällen werden sogenannte L.V.-Cuvées (Late Release) erst nach bis zu 25 Jahren Flaschenreife freigegeben.

Insgesamt produziert das Haus etwa 700.000 Flaschen pro Jahr, davon rund 500.000 Basis-Champagner und etwa 200.000 Flaschen Vintage- und Prestige-Cuvées.

Ergänzend dazu produziert das Haus auch Stillwein in sehr kleinen Mengen, den Coteaux Champenois Rouge Mareuil-sur-Aÿ aus Pinot Noir.

Die Verkostung mit Präzision, Tiefe und deutlicher Herkunft der Steillagen

Zum Abschluss der Führung erfolgte die Verkostung ausgesuchter Qualitäten, die den Stil des Hauses klar widerspiegeln. Uns wird sehr deutlich, wie stark bei Philipponnat Terroir, Rebsorte und Ausbauphilosophie miteinander verbunden sind.

Hier ist das besondere Highlight der 2016er Champagne Philipponnat Clos des Goisses.

Wir sind alle fast andächtig und restlos begeistert, da genau dieser Champagner die seltene Verbindung aus jahrhundertealter Familientradition, extremem Terroir und konsequenter stilistischer Klarheit darstellt, die Emotionen hervorruft. So schade, dass wir zeitig zurückmüssen, da am Nachmittag Champagner Charles Heidsieck auf uns wartet. Wir werden sehr herzlich von Theo verabschiedet und machen uns auf den Weg nach Épernay.
Fortsetzung folgt…

Tag 3 – nachmittags

Wo Geschichte und Charakter im Glas verschmelzen – Besuch bei Charles Heidsieck

Als wir am Nachmittag bei Charles Heidsieck in Reims eintreffen, wartet Stefanos Bulis bereits auf dem Parkplatz auf uns.

Stefano Bulis und Simone (Foto stammt von einem Besuch in Lennestadt in 2025)

Ein Empfang zwischen Geschichte und Eleganz

Stefanos stammt – genau wie ich – aus dem Sauerland. Uns verbindet seit vielen Jahren die gemeinsame Leidenschaft für Wein, Kulinarik und Genuss. Heute arbeitet er für Reidemeister & Ulrichs und hat den Besuch bei Charles Heidsieck für unsere Gruppe möglich gemacht. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, denn so erhalten wir die seltene Gelegenheit, hinter die Kulissen dieses traditionsreichen Champagnerhauses zu blicken.

Nach der herzlichen Begrüßung führt uns ein Weg durch eine Parkanlage hinauf zu einem eleganten Pavillon. Dort erwartet uns Jules Rannou, Brand Ambassador von Charles Heidsieck und wir gesellen uns zu einer Gruppe von schon eingetroffenen Gästen. Beim Betreten des Pavillons ist die besondere Atmosphäre des Hauses spürbar – eine gelungene Verbindung aus Geschichte, angenehmer Kühle, Ruhe und französischer Eleganz.

Zur Begrüßung genießen wir einen Aperitif-Champagner, bevor Jules uns mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte der Maison nimmt.

„Champagne Charlie“ – Der Mann hinter der Marke

1852 gründete Charles-Camille Heidsieck sein eigenes Champagnerhaus und reiste bereits ein Jahr später als einer der ersten Champagnerproduzenten in die USA. Mit seinem Charme, seinem eleganten Auftreten und seiner Begeisterung für Champagner eroberte er die amerikanische Gesellschaft im Sturm. Schnell nannten ihn alle nur „Champagne Charlie“.

Während des Amerikanischen Bürgerkriegs geriet er jedoch in Schwierigkeiten: Als angeblicher Spion wurde er verhaftet und mehrere Monate in einem Gefängnis in Virginia festgehalten. Erst durch diplomatische Bemühungen – sogar unter Beteiligung von Kaiser Napoleon III. – kam er wieder frei.

Nach seiner Rückkehr baute Charles Heidsieck sein Unternehmen erneut auf und entwickelte einen Champagnerstil, der bis heute für Eleganz, langer Reife und Komplexität steht. Sein Spitzname lebt bis heute als Symbol für Pioniergeist, Lebensfreude und den internationalen Erfolg des Champagners weiter. Champagne Charlie zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Champagne.

Heidsieck ist nicht gleich Heidsieck – Wer gehört eigentlich zu wem?

Der Name Heidsieck begegnet einem in der Champagne gleich mehrfach. Kein Wunder also, dass viele davon ausgehen, es handele sich um ein einziges Champagnerhaus. Tatsächlich verbergen sich dahinter jedoch unterschiedlich spannende Entwicklungen.

Charles Heidsieck, Piper-Heidsieck und Monopole Heidsieck haben ihren Ursprung in derselben Unternehmerfamilie und gehen auf verschiedene Mitglieder der Familie Heidsieck zurück. Aus den gemeinsamen Wurzeln entstanden im Laufe der Zeit drei eigenständige Champagnermarken – jede mit ihrer eigenen Geschichte, Philosophie und Stilistik.

Charles Heidsieck und Piper-Heidsieck gehören gemeinsam zur EPI-Gruppe (Européenne de Participations Industrielles), die zwar unter einem Dach geführt, jedoch als zwei Häuser mit eigener Identität und unverwechselbarem Charakter auftreten.

Monopole Heidsieck hingegen gehört heute zur Unternehmensgruppe Vranken-Pommery Monopole und wird völlig unabhängig von den beiden anderen Heidsieck-Häusern geführt. Gemeinsam ist den drei Marken vor allem ihre historische Herkunft – wirtschaftlich gehen sie jedoch längst getrennte Wege.

Obwohl alle drei Häuser denselben Familiennamen tragen, haben sie im Laufe der Zeit ihre ganz eigene Handschrift entwickelt: Charles Heidsieck steht für Tiefe und Reife mit Noten von gelben Früchten, Brioche und feiner Würze. Piper-Heidsieck verkörpert Frische und Energie mit Zitrusfrüchten, roten Beeren und floralen Anklängen. Monopole Heidsieck steht für Tradition und klassische Eleganz mit ausgewogener Frucht, feiner Reife und harmonischer Struktur.

Tür an Tür mit berühmten Nachbarn

Nach der Einführung von Jules betreten wir nun die historischen Keller und tauchen Stufe für Stufe hinab ein in eine faszinierende Welt mitten unter der Stadt Reims.

Hier erstreckt sich tief unter der Erde ein rund 42 Kilometer langes Netz gallo-römischer Kreidekeller, der sogenannten Crayères buchstäblich Tür an Tür: Taittinger, Ruinart, Charles Heidsieck, Pommery und Veuve Clicquot. Diese unmittelbare Nachbarschaft verdeutlicht, wie eng die Geschichte der großen Häuser miteinander verwoben ist.

Charles Heidsieck verfügt heute über rund vier Kilometer dieser historischen Kelleranlagen. Ursprünglich gehörten dem Haus sogar etwa acht Kilometer der Crayères von denen vier Kilometer später an Veuve Clicquot verkauft wurden.

Wir gehen durch ein beeindruckendes unterirdisches Labyrinth, das mit seiner konstanten Temperatur und hohen Luftfeuchtigkeit ideale Bedingungen für die langsame Reifung der Champagner bietet.

An einer Stelle bleibt Jules stehen: „Direkt hinter dieser Wand liegt Ruinart.“ Ein faszinierender Moment, ich kann sie förmlich vor mir sehen, die vielen Flaschen des Nachbarn – getrennt nur durch wenige Meter Kreidegestein (letztes Foto in der Bildergalerie über diesem Absatz).

Während unseres weiteren Rundgangs durch die historischen Crayères zeigt uns Jules einen kleinen, aber faszinierenden Einblick in den Reifeprozess der Champagner: feine Ablagerungen in der Flasche, die nach der langen Hefelagerung zurückbleiben.

Die abgestorbenen Hefezellen – auch Hefesatz oder „Lie“ genannt – sind ein entscheidender Bestandteil der traditionellen Flaschengärung. Über Jahre hinweg geben sie wertvolle Aromen an den Wein ab und sorgen für die typische Cremigkeit, Tiefe und Komplexität, die große Champagner auszeichnet.

Jules erklärt uns, dass gerade diese lange Zeit auf der Hefe ein wesentlicher Teil der Handschrift von Charles Heidsieck ist. Was zunächst wie ein unscheinbarer Bodensatz wirkt, ist in Wahrheit ein wichtiger Baustein für die Entwicklung des Charakters eines Champagners.

Geduld als Erfolgsrezept

Nach der äußerst beeindruckenden Kellerbegehung geht es nun zurück in den Pavillon, wo eine Verkostung der Champagnerqualitäten auf uns wartet. Eines vorweg:

Wer Charles Heidsieck verstehen möchte, muss vor allem eines verstehen: Zeit.

Das Haus zählt zu den Champagnerproduzenten mit den längsten Reifezeiten der gesamten Champagne. Während die gesetzlichen Mindestanforderungen lediglich 15 Monate für Non-Vintage-Champagner und 36 Monate für Jahrgangschampagner vorsehen, gönnt Charles Heidsieck seinen Weinen deutlich mehr Zeit. Non-Vintage-Champagner verbringen hier mindestens vier Jahre, die Vintage-Champagner mindestens sechs Jahre auf der Hefe.

Schon der erste Schluck vermittelt den typischen Stil des Hauses: intensive gelbe Fruchtaromen von reifem Pfirsich, Mirabelle und Aprikose treffen auf feine Röstaromen, eine cremige Textur und bemerkenswerter Kraft. Die Champagner wirken zugleich opulent und präzise – ein Stil, der international häufig als „powerful, yet unique“ beschrieben wird.

Ein weiteres Markenzeichen ist der außergewöhnlich hohe Anteil an Reserveweinen. Je nach Cuvée können bis zu 50 Prozent ältere Reserveweine eingesetzt werden – ein Spitzenwert in der Champagne. Sie verleihen den Weinen zusätzliche Komplexität, Tiefe und einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert. Unter Sommeliers sprechen wir oft davon, dass solche Qualitäten „weinig“ schmecken – also mehr die Struktur und Komplexität eines großen Weines zeigen als nur Frische und Perlage eines Schaumweines. Bei Charles Heidsieck heißt das Reife, Cremigkeit, Würze und eine beeindruckende Länge am Gaumen.

Die Chardonnay-Trauben stammen überwiegend aus der Côte des Blancs sowie aus Montgueux bei Troyes, dessen kalkreiche Böden als Insel der Kreide bezeichnet werden. Ergänzt werden sie durch Pinot Noir und Meunier aus weiteren renommierten Lagen der Champagne. Das Traubenportfolio reicht bis an den südlichsten Zipfel der Côte des Bar, deren Böden bereits geologisch an die der Côte d’Or im Burgund andocken, somit von dem besonderen Terroir für Pinot Noir und Chardonnay profitieren.

Blanc des Millénaires – Die Seele des Hauses

Ein Höhepunkt der Verkostung bildet heute der Blanc des Millénaires 2017, die Prestige-Cuvée von Charles Heidsieck, ausschließlich aus Chardonnay Trauben der besten Grand-Cru-Lagen der Côte des Blancs erzeugt.

Bereits beim ersten Schluck zeigt sich der 2017er mit seiner außergewöhnlichen Balance. Ich schmecke reife, gelbe Früchte, die sich mit feinen Zitrusnoten verbinden, zudem eine ausgeprägte Kreidemineralik und elegante Cremigkeit. Trotz seiner Jugend zeigt er enorme Präzision und Tiefe und besitzt gleichzeitig ein enormes Reifepotenzial von mehreren Jahrzehnten.

Ich bin beeindruckt wie dieser Champagner die Philosophie von Charles Heidsieck verkörpert: Geduld, Präzision und kompromisslose Qualität durch eine siebenjährige Reifezeit. Der erste Blanc des Millénaires erschien bereits 1983.

Ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt

Als wir Charles Heidsieck wieder verlassen, wird noch einmal deutlich, was dieses Haus so besonders macht.

Hier entstehen keine Champagner für den schnellen Effekt, sondern Weine mit Persönlichkeit, Tiefe und einer beeindruckenden Reife. Jede Cuvée erzählt ein Stück Geschichte – von „Champagne Charlie“, der den Champagner einst in die Welt trug, über die jahrhundertealten Kreidekeller bis hin zur kompromisslosen Philosophie, den Weinen genau die Zeit zu geben, die sie benötigen.

Charles Heidsieck hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass große Champagner nicht nur aus exzellenten Trauben entstehen, sondern vor allem aus Geduld, Handwerkskunst und Charakter. Genau hier verschmelzen Geschichte und Charakter im Glas – und machen jeden Schluck zu einem besonderen Erlebnis.

Beschwingt von den vielen Eindrücken und den außergewöhnlichen Champagnern machen wir uns schließlich auf den Weg zurück in die Reimser Altstadt. Im Gepäck nehmen wir nicht nur Erinnerungen an beeindruckende Keller und große Cuvées mit, sondern auch das Gefühl, eines der charakterstärksten Champagnerhäuser der Region kennengelernt zu haben.

Rückblick und Ausblick

Die erste Reise ist geschrieben – viele weitere dürfen folgen

Mit unserem Besuch bei Charles Heidsieck ging eine unvergessliche Reise durch die Champagne zu Ende. Vier Tage voller faszinierender Begegnungen, außergewöhnlicher Champagner, 1.500 gefahrener Kilometer und unzähliger Eindrücke liegen hinter uns.

Für mich persönlich war diese Tour weit mehr als nur eine fachliche Exkursion. Die komplette Organisation der Reise war eine große Herausforderung – von der Planung der Route bis zur Koordination der einzelnen Besichtigungen. Rückblickend kann ich jedoch sagen: Jede Minute der Vorbereitung hat sich gelohnt.

Am meisten beeindruckt hat mich unsere großartige Gruppe. Vom ersten Moment an herrschte eine wunderbare Atmosphäre. Wir haben gemeinsam gelacht, diskutiert, verkostet und viele besondere Momente erlebt. Aus einer Reisegruppe sind Freunde geworden – und genau das macht mich besonders glücklich. Auch nach unserer Rückkehr stehen wir weiterhin in Kontakt und treffen uns privat.

Die Idee hinter dieser Reise war von Anfang an ganz einfach: Nicht nur Champagner trinken – sondern die Champagne erleben. Genau das ist uns gelungen. Exklusive Einblicke, persönliche Begegnungen und außergewöhnliche Verkostungen haben diese Tage zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Für mich steht fest: Das war nicht die letzte Reise. Ich freue mich darauf, künftig weitere kleine Gruppen in die Champagne zu begleiten und diese faszinierende Region mit Menschen zu entdecken, die meine Leidenschaft für Wein und Genuss teilen.

Haben auch Sie Lust bekommen, die Champagne einmal auf diese besondere Weise kennenzulernen? Dann freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme – vielleicht sind Sie schon bei der nächsten Reise mit dabei.

Wein über dem Missouri – Ein spontaner Besuch bei Les Bourgeois Vineyards, United States

Wein über dem Missouri – Ein spontaner Besuch bei Les Bourgeois Vineyards, United States

Eigentlich wollten wir nur wandern. Mein Mann und ich waren Anfang Mai auf dem berühmten Katy Trail unterwegs – einer ehemaligen Bahnstrecke, die heute zu den schönsten Rad- und Wanderwegen Missouris gehört. Unser Ausgangspunkt war das kleine Städtchen Rocheport. Der Trail verläuft hier direkt entlang des Missouri River, durch Felsen, Wälder und weite Flusslandschaften.

Während wir gemütlich dem Weg folgten, fiel mir ein Hinweis auf: ein Weingut in der Nähe. Ein Schild deutete einen Weg den Hang hinauf an. Natürlich waren wir sofort neugierig. Also folgten wir dem kleinen Abzweig.

Der Weg führte steil bergauf durch Bäume und wir wussten sofort, was uns mit „bluff“ erwartete, eine Steilküste entlang der Hänge oberhalb des Flusses. Nach einigen Minuten erschien ein sympathisches Schild am Wegesrand:

“There’s wine at the top.”

Motivation genug, weiterzugehen.

Oben angekommen öffnete sich plötzlich eine wunderschöne Fläche mit Weinreben, die sich über die Hügel oberhalb des Missouri River erstreckten. Gleich daneben ein Hinweisschild zu einem Wine Garden – und dahinter eine Terrasse mit einer wirklich spektakulären Aussicht auf den Fluss.

Hier oben befindet sich also „Les Bourgeois Vineyards“, eines der bekanntesten Weingüter Missouris.

Drinnen im Lokal A-Frame wurden wir von Jennifer, der Managerin herzlich empfangen. Sie erklärte uns die erstaunlich große Bandbreite der Weine des Hauses. Das Weingut arbeitet mit Rebsorten, die besonders gut zum Klima des mittleren Westens passen – darunter die Weißweinsorten Seyval Blanc, Chardonel oder Vignoles, alles Traubenbezeichnungen, die ich bis dato selten gehört hatte und eine Kreuzung zwischen europäischen Vitis Vinifera Reben und amerikanischen Wildreben bedeuten.

Im Rotweinbereich finden Norton, Chambourcin, Syrah und Merlot, auch Pinot Noir im Weingut Verwendung. Sogar die seltenere Tannat, die auch in Uruguay zu finden ist.

Natürlich interessierte mich, woher der Name Bourgeois kam. Adrian erläuterte mir, dass Curtis („Doc“) und Martha Bourgeois das Familienweingut 1974 mit 15-acre, das sind rund 6 ha, gründeten.

Nach den ersten Rebpflanzungen in 1982 war schon 1985 mit der ersten Ernte, einer Produktion von 5 Tonnen Trauben und ca. 500 Gallonen Wein (2270 liter) ein sehr erfolgreiches Jahr, es erfolgte in den 1990ern eine stärkere Expansion.

Mit dem Bau einer neuen Produktionsanlage in 2011 mit eigener Schaumweinproduktion werden rund 14 Hektar eigene Weinberge bewirtschaftet. Zusammen mit den Trauben von Vertragswinzern aus Missouri entspricht die Produktionsfläche insgesamt etwa 47 Hektar Rebfläche.
somit hat sich das Weingut endgültig als eines der größten Produzenten in Missouri etabliert.

Nach so vielen Eindrücken beschlossen wir, draußen eine Rast einzulegen.

Wir bestellten eine kleine Platte mit Käse, Schinken, Salami und Crackern – und dazu ein Glas Schaumwein aus Vidal Blanc, einer französisch-amerikanischen Weinrebe mit erfrischenden Säurewerten, die in Kanada für Eiswein bekannt ist.

Mit unseren Gläsern setzten wir uns auf die Terrasse.

Vor uns: der breite Missouri River.
Unter uns: die steilen Hänge der Flussbluffs.
Um uns herum: Weinreben und frühsommerliche Wärme.

Es war einer dieser unerwarteten Momente auf Reisen, die man nicht planen kann – und die deshalb umso schöner sind.

Leider mussten wir irgendwann wieder aufbrechen, um unseren Weg auf dem Katy Trail fortzusetzen, nicht ohne vorher noch eine Flasche Sparkling Wine gekauft zu haben.

Auf dem Rückweg nach unten entdeckten wir noch ein weiteres Schild am Wegesrand:

“Cheers – you made it.”
Ein perfekter Abschiedsgruß.

Kurz darauf standen wir wieder unten auf dem Katy Trail und setzten unsere Wanderung fort – mit dem Gefühl, zufällig eines der schönsten kleinen Weinerlebnisse Missouris entdeckt zu haben.

Rückblick: ZUKUNFTSWEINE auf der Hohen Bracht 🍷🌱

Rückblick: ZUKUNFTSWEINE auf der Hohen Bracht 🍷🌱

Am Freitag, den 21.11.2025 fand unsere fünfte Weinprobe auf der zauberhaft eingeschneiten Hohen Bracht, einem Aussichtsturm auf 588 m Höhe, statt. Die Gastgeber*in Melanie Schreiner, Dominik Büenfeld mit Team und ich hatten zu einer spannenden Entdeckungsreise der Zukunftsweine über den Glasrand hinweg eingeladen. Ich habe Weine von innovativen Winzer*innen präsentiert, die mir besonders am Herzen liegen. Denn schon seit meiner Bioladen-Zeit arbeite ich bewusst mit Winzer*innen zusammen, die nachhaltig und biologisch wirtschaften und so der Klimaerwärmung entgegenhalten.

Die präsentierten Winzer im Überblick:

  • Weingut Philipps Mühle mit Steillagen am Mittelrhein des UNESCO-Weltkulturerbes
  • Eva Vollmer, Piwi-Pionierin und Begründerin der Zukunftsweine aus Rheinhessen
  • Weingut Rings und Weingut Krebs von der Mittelhardt aus der Pfalz
  • Alois Lageder aus Südtirol

Ein besonderes Highlight war der prämierte Eiswein der Genossenschaft Britzingen aus dem Markgräflerland, hergestellt aus der pilzresistenten Traubensorte Souvenir Gris.

Kulinarisch wurden die Gäste mit Reibeküchlein mit geräucherten Forellenfilet, Hackfleischbällchen in Tomatensauce, pikanten Bergkäse- und Ricotta-Pistazien-Pralinen mit Quitten-Chutney und noch vielem mehr verwöhnt. Hier ging wirklich niemand hungrig nach Hause.

Für zusätzliche Spannung sorgte ein Weinwissen-Quiz, das die Gäste auf spielerische Weise herausforderte – und aus dem sogar spontan eine Sauerländer Wein-Genossenschaft gegründet wurde.

Ein besonderer Auftritt eines schottischen Fußballstars sorgte für viel Heiterkeit, und unsere Gäste blieben im Anschluss noch lange. Besonders schön war, dass Stammgäste, die bisher bei keiner Weinprobe gefehlt haben, ebenso wie viele neue Besucher*innen, den Abend so bereichert haben.

Es war ein rundum toller Abend voller nachhaltiger, überraschender und köstlicher Weine, Speisen und unvergesslicher Momente.

Aus den Medien

Aus den Medien

Link zum Artikel: Sauerland Kurier

Samstag, 25. Oktober 2025, Sauerland Kurier Kreis Olpe / Lokales

Ausgezeichnete Leidenschaft

Simone Kohzer zählt zu den besten 50 Sommeliers Deutschlands

Meggen – Als sie einen Brief mit goldenem Streifen bekommt, denkt Simone Kohzer zunächst „Lotteriepost“ – doch, weit gefehlt. Der Schlemmer Atlas informiert sie darüber, dass sie zu den besten 50 Sommeliers Deutschlands zählt. eine Ehrung, die laut Jörg Leu vom Schlemmer Atlas „höchste Anerkennung für herausragende Leistungen in der Weinbranche“ bedeutet. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Vorbildcharakter, Innovationskraft und regionale Bedeutung.

Vom Bioladen zur Weinsommelière

Im Gespräch mit der Weinsommelière aus Meggen wird schnell klar, warum sie diese Auszeichnung bekommen hat. „Wein ist meine Leidenschaft“, sagt Simone Kohzer – und das zeigt sich in ihrem beeindruckenden Wissen über Rebsorten, Anbaugebiete und Genusskultur. Ein Faible für Wein hat sie schon immer, auch wenn sie die Ausbildung zur Weinsommelière erst spät begonnen hat. Im Jahr 1989 eröffnet sie zunächst ihren eigenen Bioladen in Altenhundem. Bis 2011 führt sie diesen mit großer Begeisterung, hat Bio-Weine im Angebot und knüpft erste Kontakte zu Winzern.

Neue Herausforderung

2012 beginnt ein neues Kapitel. Simone Kohzer gibt ihren Bioladen in andere Hände und zieht mit ihrer Familie in die Niederlande. Für Simone Kohzer die Gelegenheit, sich mit Mitte 40 einer neuen Herausforderung zu stellen. Sie beginnt die Ausbildung zur Weinsommelière. „Anfangs war ich abgeschreckt vom Umfang der Ausbildung“, erzählt Simone Kohzer, aber ihre Familie habe ihr den Rücken gestärkt.

Und der Umfang einer solchen Ausbildung ist tatsächlich enorm. Neben fundierten Kenntnissen der internationalen Weinwelt müssen angehende Sommeliers auch Experten für andere Getränke wie Tee, Kaffee, Cocktails, Cognacs, Aperitifs, Digestifs und Whiskeys werden. Selbst Schokolade und Zigarren gehören zum Unterrichtsstoff, ergänzt durch Betriebswirtschaftslehre. Von anfänglich 19 Teilnehmern haben nur sechs die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, Simone Kohzer ist eine davon.

2015, zurück in Deutschland, macht sich die IHK-geprüfte Weinsommelière selbstständig. Unter dem Namen „Weinwissen Sauerland“ bietet sie Weinproben, Weinreisen und individuelle Veranstaltungen an. Ihr Wissen vertieft sie kontinuierlich – auf Reisen, bei Winzerbesuchen und durch Fortbildungen.

Ob Weinwanderung mit einem Junggesellinnenabschied, ein exklusiver französischer Weinabend als Geburtstagsüberraschung oder die Beratung von Hoteliers und Gastronomiebetrieben – Simone Kohzer bringt ihre Leidenschaft überall ein. Sie schult Mitarbeiter, gestaltet abwechslungsreiche Weinkarten und sorgt für genussvolle Erlebnisse.

Dabei geht sie immer mit großer Begeisterungsfähigkeit vor, „spielerisch kann man jeden dazu bringen, Geschmack und Freude am Wein zu entwickeln“, sagt sie. Am Anfang zählt nur „schmeckt oder schmeckt nicht“. Doch wer sich intensiver mit Wein beschäftigt, entwickelt mit der Zeit einen feineren Geschmack. Wer seinen Weingeschmack ausbilden möchte, dem empfiehlt sie, verschiedene Qualitäten zu probieren, verschiedene Rebsorten und Anbaugebiete. Sie selbst hat ein Herz für Raritäten, nicht unbedingt die teuren Raritäten, sondern Weine, die nicht jeder kennt, aus kleinen Randgebieten oder von besonderen Winzern. Auch die sogenannten Zukunftsweine liegen ihr am Herzen. Weine, die für mehr Nachhaltigkeit im Weinbau stehen, aus neuen Reben, an den Klimawandel angepasst. Oder auch die vielfältigen alkoholfreien Weine, gerade bei der Generation Z ständen diese hoch im Kurs.

Weinlaune im Bierland

Und wie ist es als Weinsommelière im Biertrinker-Sauerland? „Es gibt ein sehr großes Interesse am Wein, auch hier im Sauerland“, erklärt Simone Kohzer. Und es gibt einen Unterschied zwischen der Bier- und der Weinlaune. Während die Bierlaune laut und feierfreudig daherkommt, stehe die Weinlaune für die leiseren Töne, für tiefgründige Gespräche. Doch beide schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr.

INGE SCHLEINING

Auszeichnung vom Schlemmer Atlas 2025

Auszeichnung vom Schlemmer Atlas 2025

Ausgezeichnet vom Schlemmer Atlas 2025: Simone Kohzer gehört zu den 50 besten Sommeliers für Handel & Beratung in Deutschland.

Als eine der 50 besten Sommeliers für Handel und Beratung in Deutschland vom Schlemmer Atlas 2025 ausgezeichnet zu werden ist mir eine große Ehre und würdigt meine Leidenschaft, mein fundiertes Wissen und meine Freude daran, Menschen kompetent und charmant in die faszinierende Welt des Weins zu begleiten – sowohl im privaten Rahmen als auch in Gastronomie und Handel.

Mit meinem Leitgedanken „Ein Glas Wein: Ihr Erlebnis – meine Leidenschaft!“ – verbinde ich Fachkompetenz mit persönlicher Note. Ich freue mich darauf, Sie auch weiterhin mit maßgeschneiderten Tasting-Events, Beratung oder Seminaren zu begeistern.