Aus der Champagne 🥂 Zu Besuch bei renommierten Champagnerhäusern
Tag 2 – Ein Besuch bei Deutz in Aÿ am Nachmittag
Der goldene Engel von Deutz und eine unerwartete Einladung
Während wir durch die Rue Jeanson in Aÿ schlendern, entdecken wir schon von Weitem die goldenen Lettern von Deutz. Zu unserer Überraschung steht das Eingangstor offen.
Ich frage die Gruppe, ob wir im Verkaufsraum vorbeischauen wollen – denn ich weiß, dass Maik und Jule große Fans von Deutz sind. Wenige Minuten später stehen wir im angenehm kühlen Empfangsbereich. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und erkundige mich nach einer Verkostung, wohl wissend, dass diese normalerweise Wochen im Voraus gebucht werden muss.
Die Mitarbeiterin am Empfang reagiert zunächst zurückhaltend, greift dann jedoch zum Telefon. Zehn Minuten später erscheint Etienne und eröffnet uns völlig unerwartet, dass er Zeit für uns hat.
Wer hätte das gedacht?
Zunächst führt er uns durch die Räumlichkeiten. Vor einem Porträt von William Deutz erfahren wir mehr über die Geschichte des Hauses. Deutz wurde bereits 1838 in Aÿ von den beiden aus Aachen stammenden Kaufleuten William Deutz und Pierre-Hubert Geldermann gegründet. Aus Weinhändlern wurden Champagnerproduzenten – und bis heute zählt Deutz zu den traditionsreichsten Häusern der Region, dass seit 1993 zu der Roederer-Gruppe der Familie Rouzaud gehört, zu der auch das renommierte Champagnerhaus Louis Roederer zählt.
Trotz dieser Zugehörigkeit hat sich Deutz seinen eigenständigen Stil und seine starke Verwurzelung in Aÿ bewahrt. Die Philosophie des Hauses hat sich seit den Anfängen kaum verändert: höchste Präzision im Weinberg, sorgfältige Auswahl der Trauben und viel Geduld bei der Reifung. Rund 45 Hektar eigene Weinberge sowie langjährige Partnerschaften mit Winzern bilden die Grundlage für die Champagner des Hauses. Sie stehen für Eleganz, Finesse und Harmonie – feinperlig, präzise, eher unaufgeregt und niemals laut.
Geprägt wird der Stil vor allem vom Pinot Noir, was wenig überrascht, liegt Aÿ doch in einem der berühmtesten Pinot-Noir-Terroirs der Champagne, der Grande Vallée de la Marne. Der Ausbau erfolgt überwiegend im Edelstahltank, um Frische und Klarheit zu bewahren.
Besonders stolz ist man hier auf zwei Prestige-Cuvées, die nur in hervorragenden Jahren erzeugte William Deutz mit etwa 60 % Pinot Noir sowie den exklusiven Blanc de Blancs Amour de Deutz, dessen Name auf den goldenen Engel im Park des Anwesens zurückgeht – ein Symbol für die beflügelte Leichtigkeit eines reinen Chardonnay geprägten Champagners.
Und tatsächlich scheint sich diese „Beflügelung“ in der Verkostung schnell auf uns zu übertragen: Die Stimmung wird ausgelassener, ist nunmehr eine lebhafte Runde unter Freunden.
Unser Gastgeber Etienne kämpft tapfer darum, seine Erläuterungen gegen sechs zunehmend gesprächige Champagnerfreunde durchzusetzen – was ihm nur bedingt gelingt, er nimmt es jedoch amüsiert hin. Auffallend positiv dabei ist, mit welcher nicht aufzuhaltende Begeisterung sich meine Gruppe in Fachgespräche vertieft und wie viel wir alle in nur zwei Tagen über Champagner gelernt haben.
Als wir schließlich auf die Uhr schauen, ist die Überraschung groß: Die Zeit ist längst davongelaufen. Was als kurzer Besuch begann, endet mit einem etwas hastigen Aufbruch und einem Blick auf den Fahrplan zurück nach Reims.
Fortsetzung folgt …
Tag 2 – Vormittags: Besuch bei Champagner Bollinger in Aÿ – 17.06.2026
Heute geht es nach Aÿ, einem traditionsreichen Weinort im Herzen der Champagne. Die kleine Gemeinde an der Marne gehört zu den berühmtesten Orten der Region und zählt zu den wenigen Grand-Cru-Gemeinden der Champagne.
Für viele Champagnerliebhaber ist Aÿ untrennbar mit einem Namen Bollinger verbunden: Seit fast 200 Jahren befindet sich hier der Stammsitz des Hauses, das wie kaum ein anderes für charakterstarke, von Pinot Noir geprägte Champagner steht.
Empfang durch Lucie
Schon beim kurzen Anstieg hinauf zum Bollinger-Anwesen in Aÿ wird uns klar: Olala, es wird ein heißer Sommertag in der Champagne. Am Empfang begrüßt uns Lucie, die uns mit großer Begeisterung durch die Geschichte und Philosophie des Hauses führt. Bollinger gehört zu den wenigen großen Häusern, die sich seit der Gründung 1829 bis heute im Familienbesitz befinden.
Die Geschichte von „Tante Lily“ Bollinger
Den Kopf der Familie bildet die beeindruckende Persönlichkeit von Lily Bollinger. Nach dem Tod ihres Mannes Jacques Bollinger im Jahr 1941 übernahm sie während der schwierigen Kriegsjahre die Leitung des Hauses. Die als „Tante Lily“ bekannte Unternehmerin machte Bollinger weltweit berühmt. Mit Mut, Charisma und großer Leidenschaft bereiste sie die wichtigsten Märkte persönlich und prägte über Jahrzehnte das Bild des Hauses. Von ihr stammt auch eines der berühmten Zitate, die ihr dem Foto entnehmen könnt.
Unterwegs in den historischen Kellern
Nach dem wir diesen Ausführungen interessiert gelauscht haben, führt uns der Weg in die beeindruckenden Kreidekeller von Bollinger, eine willkommene Abkühlung, bei diesem heißen Temperaturen.
Auf rund sechs Kilometern Länge lagern hier Millionen Flaschen Champagner unter idealen Bedingungen. In der Schatzkammer des Hauses befindet sich sogar ein Jahrgang aus dem Jahr 1891.
Die Philosophie von Bollinger
Der Schwerpunkt aller Bollinger-Champagner liegt auf der Rebsorte Pinot Noir, die in nahezu jeder Cuvée mindestens 60 Prozent ausmacht. Die Trauben stammen überwiegend aus Grand-Cru- und Premier-Cru-Lagen. Für die Herstellung wird ausschließlich die erste Pressung, die sogenannte Cuvée, verwendet. Die späteren Pressfraktionen werden weiterverkauft oder destilliert. Bemerkenswert ist auch die Lagerung der Reserveweine: Rund eine Million Flaschen reifen in Magnumflaschen in den Kellern des Hauses – eine Besonderheit, die wesentlich zum unverwechselbaren Bollinger-Stil beiträgt.
Handwerk und Präzision beim Rütteln
Lucy führt uns zu Olivier, bei ihm können wir das Rüttelns der Flaschen beobachten. Während die meisten Cuvées heute auf modernen Giro-Paletten maschinell bewegt werden, werden die wertvollen Jahrgangschampagner noch von Hand gerüttelt. Mit geübten Bewegungen bringt Olivier die Flaschen Schritt für Schritt in die Senkrechte, damit sich die Hefe im Flaschenhals sammelt. Dieser Vorgang dauert etwa acht Tage. Der Flaschenhals wird danach in ein Eisbad getaucht, der gefrorene Hefepfropfen durch den Innendruck herausgeschleudert und die Flasche wird anschließend auf der Feinhefe gelagert.
Nach dieser anschaulichen Demonstration erklimmen wir die Stufen aus den Tiefen des Kellers zu unserem anschließenden Tasting. Es kommt Freude auf, endlich dürfen wir verkosten.
Die Verkostung
Bollinger Special Cuvée
Der Special Cuvée ist die Visitenkarte des Hauses und macht den unverwechselbaren Bollinger-Stil sofort erkennbar. Pinot Noir dominiert die Assemblage und sorgt für Kraft, Struktur und die typischen Aromen von reifem Apfel, Brioche und gerösteten Nüssen. Ein großer Teil seines Charakters stammt aus den in Magnumflaschen gereiften Reserveweinen, die Bollinger über viele Jahre lagert.
Die Produktion beläuft sich auf mehrere Millionen Flaschen pro Jahr, denn es ist die wichtigste Cuvée des Hauses.
Bollinger PN AYC21
Die PN-Serie ist eine Hommage an den Pinot Noir und erscheint jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt.
PN steht für Pinot Noir.
AYC bedeutet:
AY = Aÿ, das historische Herz von Bollinger und einer der bedeutendsten Grand Crus der Champagne.
C = Assemblage bzw. Cuvée des Hauses.
21 = Basisjahrgang 2021.
Der PN AYC21 besteht ausschließlich aus Pinot Noir. Die Hauptlage ist Aÿ, ergänzt durch Trauben aus den Lagen von Tauxières und Mutigny. Hier steht im Fokus, die unterschiedlichen Ausdrucksformen des Pinot Noir zu zeigen. Der Wein verbindet Kraft und Tiefe mit bemerkenswerter Frische.
Bollinger La Grande Année 2018
La Grande Année wird nur in außergewöhnlichen Jahren erzeugt. Der Jahrgang 2018 gilt bereits heute als einer der großen Jahrgänge der Champagne.
Besonderheiten:
- ausschließlich Grand- und Premier-Cru-Lagen
- vollständige Vergärung in alten Eichenfässern
- jede Flasche wird von Hand gerüttelt
- jede Flasche wird von Hand degorgiert
- Reifung deutlich länger als von der Appellation vorgeschrieben
Die Cuvée besteht aus 66 % Pinot Noir und 34 % Chardonnay. Das Ergebnis ist ein komplexer, kraftvoller und zugleich eleganter Champagner mit großem Reifepotenzial.
Bollinger La Grande Année Rosé 2018
Die Rosé-Version basiert auf La Grande Année 2018 und wird durch die Zugabe eines kleinen Anteils des legendären Rotweins „La Côte aux Enfants“ ergänzt, der aus einer historischen Einzellage in Aÿ stammt.
Dadurch verbindet sie die Finesse großer Jahrgangschampagner mit feinen roten Fruchtaromen von Kirsche, Johannisbeere und Himbeere. Sie gilt als eine der gastronomischsten Rosé-Cuvées der Champagne.
Bollinger R.D. 2008
Wir kommen zum Höhepunkt unserer Verkostung.
R.D. bedeutet „Récemment Dégorgé“ – „vor Kurzem degorgiert“.
Die Idee geht auf Lily Bollinger zurück. Der Champagner reift viele Jahre auf der Hefe und wird erst unmittelbar vor dem Verkauf degorgiert. Dadurch verbindet er die Frische eines jungen Champagners mit der Komplexität jahrzehntelanger Reifung.
Der Jahrgang 2008 zählt zu den größten Jahrgängen der letzten Jahrzehnte. Die Cuvée besteht aus 71 % Pinot Noir und 29 % Chardonnay. Sie vereint enorme Spannung, Tiefe und eine außergewöhnliche Länge am Gaumen
Mit dem R.D. 2008 endet die Verkostung. Es ist ruhig geworden im Verkostungsraum bei meiner sonst so lebhaften Gruppe, fast andächtig nehmen alle die unglaubliche Vielschichtigkeit des Champagners mit Jahrgang 2008 wahr.
Hier vereint Bollinger vereint alles, wofür sie stehen: Pinot Noir, Geduld, Handwerkskunst und die Vision von Tante Lily, die ihrer Zeit stets voraus war.
Blick in die Zukunft
Und so soll es auch bleiben. Bollinger blickt konsequent nach vorne. Derzeit entstehen umfangreiche Neubauten, die pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum des Hauses im Jahr 2029 fertiggestellt werden sollen. Geplant sind unter anderem ein exklusives Fünf-Sterne-Hotel mit Wellnessbereich sowie neue Empfangs- und Produktionsgebäude.
Fazit
Der Besuch bei Bollinger zeigte uns eindrucksvoll, warum das Haus zu den großen Namen der Champagne gehört: tiefe Verwurzelung in der Tradition, kompromisslose Qualitätsansprüche und zugleich der Mut, die Zukunft aktiv zu gestalten. Zwischen historischen Kellern, handwerklicher Präzision und den ehrgeizigen Plänen für das Jubiläumsjahr 2029 wird deutlich, dass Bollinger weit mehr ist als ein Champagnerhaus – es ist ein lebendiges Stück Champagnergeschichte. Von unserem Besuch beflügelt machen wir uns gutgelaunt auf den Weg in das kleine Städtchen Aÿ.
Fortsetzung folgt …
Meine gut gelaunten Kölner: Julian, Gamze, Jule, Maik, Kathrin
Tag 1 – Ein Abend in der Maison Belle Époque von Perrier-Jouët
Nach einem erlebnisreichen ersten Tag in der Champagne steht am Abend ein ganz besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Unsere Gruppe aus Köln macht sich auf den Weg nach Épernay, in die weltberühmte Avenue de Champagne. Kaum eine Straße der Welt vereint so viele große Namen der Champagnerkultur an einem Ort. Wie Perlen an einer Kette reihen sich hier die traditionsreichen Häuser aneinander.
Für diesen besonderen Anlass haben sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in elegante Abendgarderobe gehüllt. Die Vorfreude ist spürbar, denn uns erwartet ein exklusives 5-Gang-Menü Dinner im Hause Perrier-Jouët – begleitet von einigen der prestigeträchtigsten Champagner des Hauses.
Pünktlich um 19 Uhr öffnen sich die Tore der Maison Belle Époque in der Avenue de Champagne 26. Schon beim Empfang von Isabel werden wir mit einer Herzlichkeit und Aufmerksamkeit begrüßt, die den gesamten Abend prägen wird.
Kunst, Natur und Champagner
Perrier-Jouët zählt zu den traditionsreichsten Champagnerhäusern der Region. Gegründet im Jahr 1811, steht das Haus bis heute für elegante, florale Champagner mit einem hohen Chardonnay-Anteil. Weltweit bekannt sind die Belle-Époque-Flaschen und Gläser mit ihren weißen Anemonen, die der berühmte Jugendstil-Künstler Émile Gallé im Jahr 1902 entwarf.
Doch Perrier-Jouët ist weit mehr als ein Champagnerhaus. Die Maison Belle Époque beherbergt eine der bedeutendsten privaten Jugendstil-Sammlungen Europas. Kunstwerke von Émile Gallé, Hector Guimard und Louis Majorelle verleihen dem Anwesen eine einzigartige Atmosphäre. Jeder Raum erzählt seine eigene Geschichte und verbindet auf faszinierende Weise Kunst, Natur und Champagner.
Mit einem Glas Champagner in der Hand werden wir zunächst durch den privaten Garten der Maison geführt. Die Abendsonne taucht die Anlage in warmes Licht, und die ersten Gespräche drehen sich bereits um die Eindrücke des Tages. Die Begeisterung in unserer Kölner Gruppe wächst mit jedem Schritt.
Anschließend betreten wir den festlich gedeckten Speisesaal. Ein langer Tisch, geschmückt mit floralen Arrangements, empfängt uns. Die Blumen Dekoration greift die Handschrift des Hauses auf und spiegelt die Leichtigkeit und Eleganz der Belle Époque wider.
Ein Menü voller Raffinesse
Das Menü wurde von Pierre Gagnaire inspiriert und von Sébastien Morellon, Chefkoch der Maison Belle Époque, meisterhaft umgesetzt. Jeder Gang ist nicht nur kulinarisch beeindruckend, sondern auch durch die Kellermeisterin Séverine Frerson präzise auf die jeweiligen Champagner abgestimmt.
Perrier-Jouët Blanc de Blancs
Begleitung:
Rotbarbe in Gelee mit Fenchel und Sternanis
Schalentiere nach Marinière-Art
Junger Lauch
Entenstopfleber- und Paprika-Tarte an Kapuzinerblättern
Perrier-Jouët Belle Epoque Blanc de Blancs 2018
Begleitung:
Blaues Hummerfrikassee mit salziger Butter, Cocos de Paimpol und Karotten
Hummerrillette mit Estragon und Kapuzinerkresseblättern
Hummerbiskuit mit Cognac Martell X.O.
Perrier-Jouët Belle Epoque 2016
Begleitung:
Tomaten-Ricotta-Ravioli mit Pilzen
Bouillon Zezette
Perrier-Jouët Belle Epoque Rosé 2014
Begleitung:
Taube mit Johannisbeer-Bigarade
Gegrilltes Obst und Gemüse der Saison
Artischockenpüree mit gerösteten Haselnüssen
Perrier-Jouët Belle Epoque Rosé 2014
Dessertbegleitung:
Himbeer-Eiscreme mit frischen Mandeln
Rote Früchte in Grapefruitsaft
Dulcey-Schokolade
Rosé-Champagner-Granita mit Aprikose und Haselnusspraline
Harmonie von Champagner und Speise
Besonders beeindruckend war die Präzision der Kombinationen. Jeder Champagner schien die Speisen nicht nur zu begleiten, sondern ihnen eine zusätzliche Dimension zu verleihen.
Der Belle Epoque Blanc de Blancs 2018 überzeugte mit seiner Frische, feinen Mineralität und eleganten Zitrusnoten. Gemeinsam mit dem Hummer entstand eine außergewöhnlich harmonische Verbindung, die viele von uns nachhaltig beeindruckte.
Der Belle Epoque 2016 brachte florale Noten, Finesse und Struktur mit. Seine Eleganz unterstrich die feinen Aromen der Ravioli und der Pilze, ohne jemals dominant zu wirken.
Beim Belle Epoque Rosé 2014 trafen intensive rote Fruchtaromen auf die Kraft der Taube. Die Kombination aus Fruchtigkeit, Röstaromen und feiner Säure sorgte für Begeisterung am gesamten Tisch.
Zum Dessert zeigte derselbe Rosé noch einmal eine völlig neue Seite. Die Noten von Himbeeren, Erdbeeren und roten Früchten griffen die Aromen der Desserts perfekt auf und bildeten einen ebenso eleganten wie überraschenden Abschluss.
Jeder einzelne Gang war das wunderbare Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen Kellermeisterin Séverine Frerson und Chefkoch Sébastien Morellon. Frerson schrieb schon 2020 Geschichte, als sie als erste Frau in der über 200-jährigen Geschichte von Perrier-Jouët die Position der Chef de Caves übernahm.
Ein Abend, der in Erinnerung bleibt
Im Laufe des Abends wurde immer deutlicher, warum Perrier-Jouët zu den faszinierendsten Häusern der Champagne zählt. Hier geht es nicht nur um große Champagner. Kunst, Natur, Architektur und Kulinarik verschmelzen zu einem Gesamterlebnis, das weit über eine klassische Verkostung hinausgeht.
Als wir spät am Abend die Maison Belle Époque verlassen, sind die Gespräche in unserer Gruppe aus Köln voller Begeisterung. Jeder hat seinen persönlichen Favoriten gefunden, jeder nimmt besondere Erinnerungen mit nach Hause. Einige schwärmen vom Hummergang, andere von der Vorspeise, wieder andere von der einzigartigen Atmosphäre der Maison.
Eines jedoch teilen wir alle: die Dankbarkeit, einen so außergewöhnlichen Abend erlebt zu haben. Perrier-Jouët hat uns nicht nur große Champagner präsentiert, sondern einen Einblick in eine Welt gegeben, in der Genuss, Kultur und Gastfreundschaft auf höchstem Niveau zusammenfinden.
Mit vielen Eindrücken und großer Vorfreude auf den nächsten Tag in der Champagne treten wir die Rückfahrt an. Die Messlatte für die kommenden Besuche liegt nun ausgesprochen hoch. Fortsetzung folgt
Tag 1 – Vormittags: Besuch bei Veuve Fourny & Fils – Vertus – 16.06.2026
Bei unserem Besuch bei Veuve Fourny & Fils werden wir von Charles Fourny herzlich begrüßt, der gemeinsam mit seinem Bruder Emmanuel den Familienbetrieb in Vertus, im südlichen Teil der Champagne, führt.
Die Region wird hier auch als Côte des Blancs bezeichnet. Charles erklärt uns anschaulich, warum: Er zeigt uns einen Stein, der fast reine Kreide ist – ein typisches Merkmal der Böden dieser Gegend. Diese kalkreichen Kreideböden prägen die Weine entscheidend, insbesondere den Chardonnay, der hier seine ganze Eleganz, Frische und Präzision entfalten kann. Pinot Noir spielt ebenfalls eine Rolle und bringt Struktur und Kraft in die Cuvées, während Chardonnay für Finesse und Spannung sorgt.
Alle Champagner des Hauses stammen aus Premier- und Grand-Cru-Lagen. Die Arbeit im Weinberg ist intensiv: Rund 280 Arbeitsstunden pro Hektar sind notwendig. Die Qualität entsteht aus etwa 50 verschiedenen Parzellen, die in komplexen Assemblagen über mehrere Jahrgänge hinweg zusammengeführt werden. Ein Teil davon besteht aus Reserveweinen, und die Weine reifen mindestens drei Jahre auf der Feinhefe.
Wir bekommen eine besondere Kellerführung, jährlich verkauft das Haus rund 280.000 Flaschen. Hier lagern mehr als eine Million Flaschen in den Kellern.
Charles erklärt uns, dass für die Herstellung von 1 Liter Champagner etwa 600 Liter Wasser benötigt werden, was den hohen Ressourcenaufwand der Produktion verdeutlicht. Einen Teil davon wird von Photovoltaik Anlagen gedeckt.
Nach der Kellerführung führt uns Charles in den Verkostungsraum, wo wir mit einer persönlichen Verkostungsunterlage willkommen geheißen werden. Ich bemerke wie der Text auf der Unterlage “Herzlich willkommen liebe deutsche Freunde“ ein Lächeln auf die Gesichter meiner Gruppe aus Köln zaubert. Nun dürfen wir die Champagner des Hauses entdecken.
Veuve Fourny & Fils – Dossiers zur Verkostung
Die Verkostung beginnt mit einem Flight Blanc-de-Blancs-Champagnern aus den Premier-Cru-Lagen von Vertus, gefolgt von Jahrgangschampagnern, einer gastronomisch geprägten Cuvée, die für sich steht und drei charakterstarken Rosés.
Die Verkostung bei Veuve Fourny & Fils – Vertus
Erster Flight
Les Grands Terroirs Brut Premier Cru
100 % Chardonnay
In der Nase frische Zitrusnoten, weißer Pfirsich, grüne Äpfel sowie feine Brioche- und Kreidearomen. Am Gaumen elegant, präzise und ausgewogen mit feiner Perlage, lebendiger Säure und langem, mineralischem Ausklang.
Für mich die prestigeträchtige Cuvée des Hauses, die den Stil von Veuve Fourny besonders fein und terroirgeprägt widerspiegelt. Sie vereint Frische, Finesse und Herkunft zu einem authentischen Ausdruck der Premier-Cru-Lagen von Vertus.
Blanc de Blancs Extra Brut Premier Cru
100 % Chardonnay
In der Nase feine Noten von Zitronenzeste und weißen Blüten. Am Gaumen straff, fokussiert und präzise, die geringe Dosage betont Frische und Mineralität.
Ein sehr klarer, terroirgeprägter Blanc de Blancs – geradlinig, elegant und ideal als Aperitif.
Blanc de Blancs Brut Nature Premier Cru
100 % Chardonnay
Zitrusfrüchte, Austernschale und feine Hefenoten prägen die Nase. Am Gaumen puristisch, salzig-mineralisch und kompromisslos trocken.
Ein unverfälschter Ausdruck von Chardonnay und Terroir ohne Dosage – in seiner reinsten Form.
Zweiter Flight
Monts de Vertus 2017 Extra Brut Premier Cru
100 % Chardonnay | Jahrgang 2017
Reife Zitrusfrüchte, gelber Apfel, weiße Blüten und feine Röstaromen in der Nase. Am Gaumen kraftvoll und zugleich elegant mit präziser Säure, mineralischem Kern und großer Länge.
Ein Jahrgangschampagner aus einer der besten Parzellen von Vertus, der Terroir und Jahrgang klar widerspiegelt.
Cuvée „R“ Extra Brut Premier Cru
Chardonnay-dominiert, ergänzt durch Reserveweine
In der Nase reife Früchte, Brioche, Haselnuss und feine Gewürze. Am Gaumen tiefgründig, strukturiert und cremig mit langem Nachhall.
Ein gastronomischer Champagner mit großer Vielschichtigkeit und idealer Begleiter zu Speisen von Meeresfrüchten bis Kalb.
Dritter Flight – Rosé-Champagner
Rosé Brut Premier Cru
Himbeeren, Walderdbeeren, rote Johannisbeeren und Rosenblüten in der Nase. Am Gaumen frisch, fruchtig und lebendig.
Ein charmanter, animierender Aperitif-Champagner mit viel Trinkfreude.
Rosé Vinothèque MV17 Extra Brut Premier Cru
Reife rote Früchte, Blutorange, getrocknete Blüten und Gewürze in der Nase. Am Gaumen komplex, gereift und vielschichtig mit großer Länge und cremiger Textur.
MV steht für „Multi Vintages“ (Basis 2017 plus Reserveweine), Vinothèque für lange gereifte Reserve-Cuvées mit zusätzlicher Tiefe und Komplexität.
Rosé de Saignée Extra Brut Vertus Premier Cru
100 % Pinot Noir (Les Rougemonts & Les Gilottes)
Intensive Aromen von Brombeeren, Kirschen, Walderdbeeren und Gewürzen. Am Gaumen kraftvoll, vinös und strukturiert mit großer Fruchttiefe.
Entsteht nach dem Saignée-Verfahren: kurze Mazeration der roten Trauben auf den Schalen, wodurch Farbe, Frucht und Struktur intensiv extrahiert werden. Ein charakterstarker, gastronomischer Rosé mit viel Ausdruck.
Besonders beeindruckt hat uns die Philosophie des Hauses, die durch Charles sehr deutlich wurde: herzlich, zuvorkommend und mit einer feinen Prise Humor. Alles wirkt so persönlich – wir kamen als Fremde und gehen als Freunde!
Gut gelaunt steigen wir ins Auto und setzen unsere Reise fort. Fortsetzung folgt …
Vorschau auf die Reise in die Champagne – 12.06.2026
„Nach der Prüfung ist vor der Prüfung.“
Dieser Satz von meiner Frankreich-Dozentin Christine Balais vom Gastronomischen Bildungszentrum Koblenz klingt bis heute nach – denn sie hatte recht. Ich freue mich sehr über diese persönliche und fachliche Weiterentwicklung.
Hätte mir damals jemand erzählt, dass ich einmal eine eigene Reise in die Champagne organisieren würde, ich hätte es kaum geglaubt.
Nächste Woche ist es nun so weit:
Gemeinsam mit sechs Champagnerbegeisterten aus dem Kölner Raum besuche ich an drei Tagen einige der renommiertesten Champagnerhäuser der Region. Die Begeisterung für die Champagne wurde während der Reisen mit Yvonne Heistermann geweckt und ist seitdem stetig gewachsen.
Auf unserem Programm stehen unter anderem:
🍾 Champagne Veuve Fourny & Fils
🍾 Perrier-Jouët
🍾 Champagne Philipponnat
🍾 Champagne Bollinger
🍾 Champagne Charles Heidsieck
Im erweiterten Rahmenprogramm werden wir die Avenue de Champagne, die Kathedrale zu Reims, gute Bars und Restaurants besuchen.
In den nächsten Tagen nehme ich euch mit auf diese Reise. Freut euch auf viele Eindrücke, spannende Begegnungen und besondere Orte und Momente aus der Champagne! 🍾🇫🇷
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