Frühburgunder „Euphoria“

Synonyme:
Deutschland: Blauer Frühburgunder, Früher Clävner, Augusttraube, Augustclevner, Jakobtraube, Madeleine Noir, Pinot Madeleine, Ischia, VignedÍschia, Luviana Veronese, S. Lorenzo

Verbreitung:
In den 1960ern mit 15 ha fast ausgestorben, besitzt Deutschland aktuell 252 ha Frühburgunder Reben. Die Hauptgebiete sind Rheinhessen, Pfalz, Ahr.
Seit 2005 ist die Rebe als “Passagier“ der „Arche des Geschmacks“ aufgenommen. Das sind von Slow Food ausgezeichnete Lebensmittel, die schützens- und erhaltenswert sind.

Herkunft:
Seine Herkunft ist wie alle Burgundersorten in Frankreich begründet. Sie zählt mit zu den ältesten Kulturreben.

Kreuzung:
Mutation aus dem blauen Spätburgunder.

Sortenmerkmale:
Blüte: früh bis mittelfrüh, blütesensibel
Vegetationszeit: sehr empfindlich
Reife: früh reifend, erreicht in guten Standorten schon im August seine Vollreife
Wuchs: mittelstark
Ertrag: ertragsschwach, 60-70 hl/ha

Eigenschaften der Sorte
Ansprüche an die Lage: geringer als beim Spätburgunder
Ansprüche an den Boden: leicht erwärmbare, durchlässige, lockere fruchtbare Böden
Krankheitsanfälligkeit: wenig krankeitsanfällig, Dezimierung durch Vogelfraß aufgrund der frühen Reife
Qualität: wird wie Rotwein vergoren, hat aber nur geringe Mengen an Resveratrol und ist daher nicht so langlebig

Qualität
Die frühe Reife erbringt farbintensive, kräftige, ausdrucksvolle, pinotduftige, samtige Rotweine, die den Spätburgunder im Ausdruck übertreffen. Ausleseweine sind eine Besonderheit.
Säure: Mit 6-8g/l im für Rotwein günstigen Bereich.

Weinbeschreibung:

Die Rotweinqualität liegt nicht selten über die des Spätburgunders, zarte Art, feiner Pinotduft, edle Würze, Vornehm, sehr viel Spiel im Mund und am Gaumen, früher trinkreif als Spätburgunder.

Ich habe mir überlegt die Frühburgundertraube auch Euphoria zu nennen, hat sie mich doch schon früh bei meinen ersten Wein-Ausflügen in das Ahrtal ungewöhnlich begeistert.

2017 war das Weingut Jean Stodden in Rech dann meine Praktikumstelle für die Sommelier Prüfung, daher möchte ich dieses besondere Weingut neben einem euphorisierenden Frühburgunder von Alexander Stodden beschreiben.

Rotweingut Jean Stodden, Ahrtal

Das Weingut und sein Winzer Alexander Stodden
„Im Einklang mit der Natur alles tun, um Wein zur Vollendung zu bringen“, so lautet die Philosophie des Weinguts und seinem Winzer Alexander Stodden. Nach dem Studium der Oenologie war er als Kellermeister im Weingut Bergsig in Südafrika, danach Winzer in Oregon bei Witnesstree Vinyards und seit 2001 im elterlichen Weingut an der Ahr tätig. Seinem Ruf als „Pinot Noir Verrückter von der Ahr“ (Gault Millau 2018) wird er gerecht, denn sein Herz schlägt definitiv für den Spätburgunder, so kommt es, dass er noch nie etwas anderes als Burgunder in neuen Weinbergen angepflanzt hat und am liebsten auch selbst genießt.

„Mit kompromisslosem Qualitätsdenken den perfekten Spätburgunder heranreifen zu lassen – das ist mein Ziel!“
Mit umweltschonendem Weinbau setzt er auf niedrige Erträge durch grüne Lese, indem er grüne, vollentwickelte Trauben auf den Boden schneidet, um die Menge zu reduzieren, damit er dichte und extraktreiche Weine erzeugen kann. Schon lange bevor die Spontangärung in Mode kam, wurden Naturhefen verwendet, er verzichtet auf Schönungsmaßnahmen und klärt allenfalls mit Eiweiß. Als VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter) auch Mitglied bei Fair`n Green setzt er auf Nachhaltigkeit – ein Winzer, der mit seinen vielen Auszeichnungen zu den Besten seines Fachs gehört.

4,5 Trauben Gault Millau
5 Sterne Eichelmann Weinführer
4,5 Punkte Feinschmecker Weinführer
4 Sterne Wein-Plus
3 Sterne Johnson Weinführer

Beispielwein:

2018 Herrenberg Frühburgunder
VDP.GROßES GEWÄCHS®

AHRWEIN DES JAHRES 2020

Lage:
Der Name Herrenberg bezieht sich auf die Herren zu Saffenburg, zu deren Besitz der Ort Rech gehörte und die in dieser Spitzenlage ihre Weinberge besaßen.
Mit seinem Schieferverwitterungsboden mit Grauwacke bietet der zentral nach Süden ausgerichtete Steilhang mit bis zu 60% Neigung hervorragende Bedingungen zur optimalen Ausnutzung der Sonnenenergie. Für die Erzeugung eleganter, zum Teil wuchtig breiter Frühburgunderweine mit hohem Alterungspotential findet man hier die idealen Voraussetzungen.

Boden:
Lös-Lehm Anschwemmboden mit Schiefer gemischt

Vinifikation:
Handgelesenes, streng selektiertes Lesegut, 18 Tage temperaturkontrolliert, ohne Stiele, maischevergoren und chaptalisiert. Malolaktische Gärung, 17 Monate Ausbau und Lagerung in neuen und gebrauchten Barriques.

Verkostungsnotiz
Intensive Frucht, Waldbeeren, reife Frucht, gute Struktur, Frische, reifes Tannin, „eine Diva, die euphorische Begeisterung hervorruft“.